Was die NSA weiß

Fast täglich geraten neue Puzzle-Teile des Überwachungsskandals an die Öffentlichkeit. Wir bekommen ein immer genaueres Bild von dem, was die Geheimdienste wirklich tun und mit welchen Methoden. Doch nur wenige wissen wirklich was die Veröffentlichungen bedeuten und begreifen die Tragweite des Skandals. Welche Gefahr geht von der Überwachung wirklich aus?
Grundsätzlich gilt: WIssen ist Macht. Die Geheimdienste würde ihre Überwachungsmaschinerie nicht betreiben, wenn sie keinen für die Geheimdienste positiven Effekt hätte. Es ist vor allem Wissen über soziale wie wirtschaftliche Strukturen und das Verhalten des Einzelnen dass sich aus Programmen wie Prism und Tempora ergibt. Und damit Macht.
Macht um beispielsweise Einzelpersonen im politischen Leben unter Druck zu setzen oder ganze politische Bewegungen zu manipulieren. Macht um die Entwicklung von Unternehmen oder sogar ganzen Branchen zu beeinflussen.

Die Bedeutung von Metadaten
Immer wieder hört man zur Beruhigung die Aussage man würde ja nur Metadaten abgreifen und keine Inhaltsdaten. Was dabei verschwiegen wird: Metadaten sind um einiges Aussagekräftiger als Inhaltsdaten. Und mithilfe der Metadaten lässt sich oft auf den Inhalt schließen.
Was also weiß die NSA -dank der Metadaten- über dich? Zunächst muss man wissen was Metadaten sind und welche Metadaten von NSA, GCHQ und BND abgegriffen werden.
Metadaten sind Merkmale von emails, Webseiten-Besuchen oder Telefonanrufen:
email:

  • Datum
  • Zeit
  • IP Adresse
  • Name

google search:

  • Suchworte
  • angeklickte Links

Mobilgeräte:

  • Zeit des Anrufs
  • Dauer des Anrufs
  • Nummer des Gesprächpartners
  • Standord

Und das ist nur eine Auswahl (Informationen von google-analytics, facebook, Kreditkartenkäufen, twitter, linkedIn, etc sind z.B. ebenfalls äußerst wertvoll). Allein aus diesen Daten lässt sich schon eine Menge herauslesen. So lassen sich durch die Informationen wer wen wann und wie kontaktiert schon oft ganze soziale und wirtschaftliche Netzwerke entschlüsseln. Dadurch können Fragen wie „Wer ist dein bester Freund/Freundin?“, „Mit wem hast du eine Beziehung/Affäre?“ und sogar „Wer ist dein Chef?“ beantwortet werden.
Es lässt sich auch erkennen ob du deinen Anwalt, Suchtberatung, Arbeitsamt, Arzt oder ähnliches kontaktiert hast. Weiß man um welchen Arzt oder Anwalt es sich handelt, kann man darauß schließen ob du dich Scheiden lassen willst, Probleme mit deinem Mieter hast, an Krebs leidest oder ob du Schwanger bist. Auch kann man dich dadurch grob in Einkommensklassen einordnen.
Durch Geodaten (gewonnen durch Handys, facebook, twitter, …) lässt sich erkennen wo du arbeitest, wohnst und einkaufst. So lässt sich genau ablesen wie viel du verdienst und welcher sozialen Gruppe/Schicht du zuzuordnen bist, was für Kleidung du trägst und welche Fastfood-Kette du bevorzugstt. Hieraus lässt sich grob auf dein Verhalten schließen und auf was für Reize du wie reagierst.
Durch die von Google gewonnen Daten (google web search, google-analytics) lassen sich die Themen die dich interessieren, deine sexuellen Vorliebe, deine Bildung und deine Krankheit an der du gerade leidest herauslesen.
Kurz: hat die NSA genügend Metadaten weiß sie wer du bist, wann du dich wo aufhälst, wie du dich verhälst, was du magst und was du verabscheust. Sie kennt dich besser als deine eigene Mutter.

camera1CC-BY-SA 2.0/Aurélia Lemonnier

Gefahr für den einzelnen Bürger?
Oft hört man von Bürgern im Zusammenhang jeglicher Überwachung den Satz „Mir egal, ich hab nichts zu verbergen“. Dieser Satz ist allein deshalb schon falsch da jeder Mensch seine kleinen Geheimnisse hat. Dinge die der Chef, die Eltern, der Partner oder völlig fremde Personen nicht wissen sollen. Es verbirgt es vor ihnen und schafft sich so eine Privatsphäre.
Aber auch aus anderen Gründen ist die obige Aussage falsch. Wenn Menschen überwacht werden ändern sie ihr Verhalten. Sie verhalten sich viel angepasster, verstoßen weniger gegen Konventionen und halten ihre persöhnlichen Ansichten in der Öffentlichkeit zurück. Dies ist äußerst schädlich für eine freie und demokratische Gesellschaft, da so der freie Meinungsaustausch und die freie Entwicklung des Einzelnen eingeschränkt wird.
Aber auch auf ganze Gesellschaften wirkt sich Überwachung negativ aus. So verliert eine Gesellschaft an Eigenständigkeit und Selbstbestimmung wenn sie ständig durch Überwachung kontrolliert wird. Außerdem ensteht so auch ein Klima der Angst und des Misstrauens.
Das die allumfassende Überwachung den Geheimdiensten große Macht gewährt wurde schon erläutert. Überall wo sich Macht sammelt, ensteht ein Missbrauchspotential. Zum Beispiel kann die Überwachung für persönliche Zwecke missbraucht werden. So gab es in den USA schon Fälle wo Geheimdienstler unwissende Paare beim Telefonsex belauscht haben. Im Jahre 2006 gab es in Italien einen komplexen Geheimdienstskandal. Es wurden mehrere prominente Personen aus Öffentlichkeit und Wirtschaft abehört und mit den daraus gewonnen Informationen auf Geld erpresst.
Möglichkeiten gibt es viele. Hinzu kommt dass die NSA und der GCHQ durch die Überwachung viele Informationen über Geschäftsbeziehungen und Innovationen der Wirtschaft bekommen. Werden diese (und das werden sie) an heimische Unternehmen weitergegeben, entstehen so nicht bezifferbare wirtschaftliche Schäden.
Da die Geheimdienste im Besitz zahlreicher persönlicher Informationen ist, ist es ihr ein leichtes wirtschaftliche oder politische Funktionsträger unter Druck zu setzen um so politische Prozesse zu beeinflussen.

Digitale Selbstverteidigung
Einen vollständigen Schutz wird es nicht geben. Jedes digitale System ist
hackbar, angreifbar. Aber man kann Überwachung im digitalen Raum massiv erschweren. Zu aller erst is der Staat gefordert mit seiner gesamten, ihm zur Verfügung stehen Macht bürgerliche und demokratische Rechte und Freiheiten zu schützen und anlasslose Überwachung zu verhindern. Aber auch der Bürger kann einiges tun um sich zu schützen.

Eine der effektivsten Schutzmaßnahmen ist die Nutzung des TOR-Netzwerks. Zwar ist hier eine große (keine Vollständige) Anonymität gewährt, allerdings ist die Verbindungsgeschwindigkeit nicht sehr nutzerfreundlich.
Ein ebenfalls sinnvoller Weg ist die Nutzung von Browserplugins wie Ghostery und NoScript. Diese machen es schwieriger im Netz von Unternehmen getrackt und verfolgt zu werden. Ein weiterer sinnvoller Weg zu Vermeiden, dass andere Daten über einen sammeln, ist die Nutzung alternativer Suchmaschinen wie duckduckgo da diese keine Daten speichern.
Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist die Vermeidung zentraler Strukturen und konstenloser Angebote. Zentrale Strukturen vereinfachen eine Überwachung und kostenlose ANgebote leben meist von gespeicherten Daten die sie an Werbeunternehmen verkaufen. So sollte man sog. Freehoste wie hotmail, web.de, gmx, etc. möglichst meiden und stattdessen mail-Anbieter nutzen für die man zahlen muss oder die sich den Schutz der Privatsphäre zur Aufgabe machen (diese leben oft von Spenden). Dies bietet außerdem die Möglichkeit Mail-Software wie Mozilla Thunderbird zu nutzen.
Da Mails offen wie Postkarten durch das Netz wandern und von jedem und jeder ohne großen Aufwand gelesen werden können, ist es sinnvoll diese mit PGP (pretty good privacy) zu verschlüsseln (Eine einfache Anleitung wie das geht findet ihr hier).
Grundsätzlich ist die Nutzung von freier Software und Open Source eine gute Idee da so sogenannte Backdoors vermieden werden können. Außerdem werden diese Softwareprodukte oft nicht von großen Konzernen sondern von kleinen Communitys programmiert.
protestCC-BY-NC 2.0/Mike Herbst

Aber auch im mobilen Bereich gibt es einiges zu machen. Zu aller erst sollte man Apps vermeiden die KOntaktdaten, Standort und/oder Anrufstatus speichern. Insbesondere Apps wie facebook udn whatsapp sind hier zu nennen. Whatsapp zum Beispiel speichert Standort und die komplette Kontaktliste. Allein aus diese beiden Datensätzen lässt sich schon eine Menge herauslesen. Auch hier sind die Alternativen im Open Source Bereich zu finden. Eine gute Android-Alternative ist z.B. Kontalk.
Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist das Betriebssystem. So ist es z.B. äußerst sinnvoll statt Android (oder iOS) Systeme wie Cyanogen Mod zu nutzen. Diese erlauben eine bessere Kontrolle über die eigenen Daten. Es ist sogar Möglich auch Apps wie whatsapp gefahrlos zu benutzen ohne sich Gedanken um den Datenschutz machen zu müssen da diese im Inkognito-Modus den Apps statt Daten nur leere Listen übergeben. Es wird auch an Ubuntu und Firefox Betriebssystemen für mobile Geräte gearbeitet. Wie gut diese sind muss sich in Zukunft zeigen.
Wichtig ist auch der Umgang mit bionischen Daten. So sollte der Fingerabdruck Scanner und Siri von Apple (oder ähnliche Systeme) möglichst nicht genutzt werden. Hier werden wichtige, körperliche Merkmale wie Klang der Stimme oder der Fingerabdruck auf den mobilen Geräten abgespeichert und an Konzerne (hier: Apple) gesendet. Da auch oft Geheimdienste Zugriff auf diese Datensätze haben enstehen nicht nur bei Konzernen sondern auch bei Staaten gefährliche Datensätze die ein nicht zu kontrollierendes Missbrauchspotential ermöglichen.

Grundsätzlich ist der beste Schutz dass man Daten erst nicht enstehen bzw. sammeln lässt. Dezentrale Strukturen, Open Source und/oder Spenden-orienterte Dienste sind der beste Weg im Kampf gegen die allumfassende Überwachung.

 

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